Almut-Maie Fingerle, Konzertsängerin

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RHEINPFALZ, Dienstag, 22. Juni 2004


Wie in Töne gegossenes Licht

 KIRCHHEIMBOLANDEN: Glanzvolles Orgelsommer-Konzert in der Paulskirche

 


 VON UNSEREM REDAKTEUR THOMAS BEHNKE


   Barockmusik ist wie in Töne gegossenes Licht. Und was könnte ihren klingenden Glanz, ihre lichte Festlichkeit klarer hervorkehren als ein strahlender Sopran in harmonischer Zwiesprache mit einer hell tönenden Barocktrompete, getragen von majestätischer Orgelbegleitung? Beim Orgelsommerkonzert am Sonntag in der Paulskirche konnte sich der Zauber dieser Musik aus eben diesen Zutaten warm und eingängig entfalten.

„Con voce festiva“, mit festlicher Stimme: Das Eingangsstück, eine anmutige Arie Alessandro Scarlattis (1660-1725), war musikalisches Motto und im fein abgestimmten Miteinander Almut-Maie Fingerles (Sopran), Egbert Lewarks (Trompete) und Martin Reitzigs (Orgel), ergreifend schöner Einstieg in das Porgramm – dessen Italien-Schwerpunk freilich, von dem Reitzig eingangs sprach, durch Werke Bachs und Händels einen starken deutschen Kontrapunkt erhielt. Die große Leichtigkeit Scarlattis oder Vivaldis

 

 

 

 

Trompete mit einer reichen Verzierungstechnik.

   Portugall, Dozent für Cembalo und Klavier an der Universität Mainz, entlocket mit der spätbarocken Sonate D-Dur von Patti der für Barockmusik ja eigentlich weniger geeigneten romantischen Orgel musizierfreudig das Bestmögliche. Allerdings hätte bei "Capriccio sopra la bassa fiamenga "von Fescobaldi eine abwechlu8nsreicherere Registrierung das Zuhören erleichtert, ebenso wie bei der "Sonata cromatica" von

gegen den tiefen Ernst Bachs zu setzen, erhöhte gleichwohl den Reiz des facettenreichen Konzertes.

   Almut-Maie Fingerle faszinierte durch ihre voluminöse, warm klingende Stimme, die Intensität in der Modulation jedes einzelnen Tons und dessen kunstvolle Verfeinerung durch zarteste Koloraturen. Insbesondere in dem noch in der Spätrenaissance angehörenden Lied „O quam pulchra es“ – zunächst in der volkstümlicheren Version Alessandro Grandis (1575-1630), danach in der ariosen, von langen Sequenzen geprägten Bearbeitung Monteverdis (1567-1643) vorgetragen – ließ sie, die sanfte Melancholie regelrecht ausmalend, die ganze Ausdruckskraft ihrer Stimme erkennen. Gerne hätte man die zunächst angekündigte Melani-Kantate „All’armi, pensieri“ gehört, die jedoch mit Rücksicht auf die angegriffene Stimme Fingerles ersetzt wurde durch Händels D-Dur Suite für Orgel und Trompete. Von Reitzig und Lewark trotz kurzer Probenzeit souverän bewältig, wirkte das Stück in diesem Umfeld freilich etwas konventionell.

   Die ganze Strahlkraft der Trompete stand Egbert Lewark ohne jeden Abstrich

 

zu Gebote. Bemerkenswert die unangestrengte Leichtigkeit seines Tons, der fast mühelos zwischen kraftvollem Forte und Passagen verhaltener Zartheit variierte, wie auch der kantable Ausdruck, etwas in der Händel-Suite oder der Sonate Nr. 4 D-Dur von Domenico Gabrielli (1659-1690). Herausragend die Dialoge mit Fingerle in Vivaldis gemessen-erhabenem „Domine Deus“ aus dem Gloria D-Dur oder in der abschließenden Scarlatti-Arie „Mio tesoro“.

   Martin Reitzig stand dem in nicht nach, war stets mehr als nur solider, feinfühliger Begleiter. In der Ausfaltung der komplexen Harmonik und schwermütigen Tiefe der ausladenden dorischen Toccata und Fuge in d von Bach bot er, wie später nicht minder in Bachs Präludium und Fuge a-Moll, eine überaus beeindruckende solistische Leistung, die zugleich die klanglichen Möglichkeiten der Mozartorgel voll zur Geltung brachte.

   Für den lang anhaltenden, herzlichen Beifall des Publikums in der gut zur Hälfte besetzten Kirche dankten die Künstler mit einer Wiederholung des „Con voce festiva“.

 

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