Kantate „Mein Herze schwimmt im Blut“ BWV 199

Die Kantate für Sopransolo „Mein Herze schwimmt im Blut“, BWV 199, stammt aus Bachs Weimarer Zeit und wurde am 12. August 1714 zum ersten Mal aufgeführt. Der Text stammt aus dem „Gottgefälliges Kirchen-Opffer“ des Darmstädter Hofbibliothekars Georg Christian Lehms, des weiteren knüpft er an das Sonntagsevangelium an.

In barocker Drastik schildert der Dichter den vom Sündenbewusstsein geplagten Menschen.

Bachs Vertonung bezeugt den Erfindungsreichtum des jugendlichen Komponisten, der bestrebt ist, mit den bescheidenen Mitteln eines Solosopran, einer Oboe, Streichern und Continuo vielfältige Wirkungen zu erzielen.  

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Mein Herze schwimmt im Blut

 

 

 

1. Recitativo S
Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo

 

Mein Herze schwimmt im Blut,
Weil mich der Sünden Brut
In Gottes heilgen Augen
Zum Ungeheuer macht.
Und mein Gewissen fühlet Pein,
Weil mir die Sünden nichts
Als Höllenhenker sein.
Verhaßte Lasternacht!
Du, du allein
Hast mich in solche Not gebracht;
Und du, du böser Adamssamen,
Raubst meiner Seele alle Ruh
Und schließest ihr den Himmel zu!
Ach! unerhörter Schmerz!
Mein ausgedorrtes Herz
Will ferner mehr kein Trost befeuchten,
Und ich muss mich vor dem verstecken,
Vor dem die Engel selbst ihr Angesicht verdecken.

 

 

2. Aria e Recitativo S
Oboe solo, Continuo (con, Violone)

 

Stumme Seufzer, stille Klagen,
Ihr mögt meine Schmerzen sagen,
Weil der Mund geschlossen ist.
    Und ihr nassen Tränenquellen
    Könnt ein sichres Zeugnis stellen,
    Wie mein sündlich Herz gebüßt.
Mein Herz ist itzt ein Tränenbrunn,
Die Augen heiße Quellen.
Ach Gott! wer wird dich doch zufriedenstellen?

 

 

3. Recitativo S
Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo (con, Violone)

 

Doch Gott muss mir genädig sein,
Weil ich das Haupt mit Asche,
Das Angesicht mit Tränen wasche,
Mein Herz in Reu und Leid zerschlage
Und voller Wehmut sage:
Gott sei mir Sünder gnädig!
Ach ja! sein Herze bricht,
Und meine Seele spricht:

 

 

4. Aria S
Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo (con, Violone)

 

Tief gebückt und voller Reue
Lieg ich, liebster Gott, vor dir.
    Ich bekenne meine Schuld,
    Aber habe doch Geduld,
    Habe doch Geduld mit mir!

 

 

5. Recitativo S
Continuo (con, Violone)

 

Auf diese Schmerzensreu
Fällt mir alsdenn dies Trostwort bei:

 

 

6. Choral
Viola solo, Continuo (con, Violone)

 

Ich, dein betrübtes Kind,
Werf alle meine Sünd,
So viel ihr in mir stecken
Und mich so heftig schrecken,
In deine tiefen Wunden,
Da ich stets Heil gefunden.

 

 

7. Recitativo S
Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo (con, Violone)

 

Ich lege mich in diese Wunden
Als in den rechten Felsenstein;
Die sollen meine Ruhstatt sein.
In diese will ich mich im Glauben schwingen
Und drauf vergnügt und fröhlich singen:

 

 

8. Aria S
Oboe, Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo (con, Violone)

 

Wie freudig ist mein Herz,
Da Gott versöhnet ist
    Und mir auf Reu und Leid
    Nicht mehr die Seligkeit
    Noch auch sein Herz verschließt.


Besetzung

 

Solo: S, Oboe, Violino I/II, Viola, Continuo (+ Violone e Fagotto)

Entstehungszeit

 

12. August 1714

Text

 

Georg Chrisian Lehms 1711; 6. Johann Heerman 1630

Anlass

 

12. Sonntag nach Trinitatis

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