Almut-Maie Fingerle, Konzertsängerin

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Leuchtende Renaissancemusik

"Gli affetti" erfreuen einen kleinen Kreis im Krankenhaus Bad Dürkheim

 Von unserem Mitarbeiter

Roland Happersberger

  Eine Stunde wunderschöner Musik servierte das Ensemble "Gli affetti" am Samstagabend einem leider nur kleinen Publikum in der Kappelle des evangelischen Krankenhauses in Bad Dürkheim. Almut-Maie Fingerle, Gesang, Katja Miklitz, Blockflöte, und Stephan Aufenanger, Orgel, interpretierten vornehmlich italienische und spanische Musik der Renaissance, dazu – kontrastierend – zwei Kompositionen der jüngeren Vergangenheit. Die waren zwar genauso trefflich musiziert, vielleicht sogar noch sorgsamer und mühevoller ausgearbeitet, konnten es aber, was die Schönheit des musikalischen Flusses angeht, nicht mit ihren 400 Jahre älteren Begleitern aufnehmen.

 Die Umstände hätten nicht besser sein können: Man sitze in der glaswandreichen, regelmäßig gebauten Kapelle wie in einem Kristall, eine kleine, wie für diesen Zweck gemachte Orgel ist vorhanden, auf ihrem Podest ist links und rechts gerade noch Platz für je einen Musiker, und die Akustik ist so klar und intim, wie es einer "musica da camera" wesensgemäß ist. Ein instruktives Programmblatt führt zudem musikhistorisch kundig ins Programm ein, weckt Neugierde.

 

Der Beginn: die Kantate "Nigra sum" von Traquinio Merula. Noch sind wir in der Zeit des madrigalartigen Komponierens, in der jeder Textabschnitt neues musikalisches Material enthält. Da gilt es besonders, durch eine spezifische Gesamtspannung die Musik nicht in Brocken zerfallen zu lassen. "Gli affetti" schafften dies vorzüglich, die Harmonie zwischen den drei Musikern war nie getrübt, es hakte und klemmte nichts, im Gegenteil, von Anfang an entwickelten siech ebenso konzentrierte wie, in gestalterischer Sicherheit beruhende, gelöste Musizierfreude, ungetrübter Wohlklang, ein bewegtes Fließen in straffen, aber nie hastigen oder schleppenden Tempi: fast immer die reine Freude. Das galt auch für die Gesänge von Tarquinio Merula und Diego Ortiz.

 Da das Programm recht kleingliedrig war, sei hier nur einiges hervorgehoben: Hochinteressant die Vergleichsmöglichkeit zwischen zwei Vertonungen des berühmten "O quam pulchra es" aus dem Canticum Salomonis, einer alttestamentlichen Leidersammlung, welche – die Exegeten mühen sich darum schon lange – zwischen sinnlich-konkretem Liebeslob und allegorisch-theologischer Bedeutung changiert. Der Altersunterschied der Komponisten beträgt nur acht Jahre, ihre Tonsprache ist dieselbe, aber welch ein Unterschied: Claudio Monteverdi komponiert eine ungemein subjektive, von Wort zu Wort die Affekte modellierende Musik, ebenso expressiv wie im Grunde introvertiert, welche Almut-Maie Fingerle geradezu aufregend sang; Alessandro Grandi indes entwickelt eine exaltierte, grandiose Rhetorik, abwechslungsreich, schwungvoll, repräsentativ, genauso glänzend gesungen. Insgesamt ein schönes Zeichen dafür, wie einfühlsam die Sängerin sich auf das musikalische Material einzustellen weiß.

 Katja Miklitz hatte dann Gelegenheit, in der Sonata sexta von Giovanni Battista Fontana als Flötistin zu glänzen. Zusammen mit Aufenanger verwirklichte sie ein unangestrengt leuchtendes musikalische Fließen, bildete die Töne ebenso virtuos wie klanglich leuchtend, ohne je zu forcieren, ohne Härte und Heftigkeit. Ein Genuss.

 Klar, auf gleichmäßigem metrischem Fundament, spielte Aufenanger ein "Tiento" im fünften Ton von Antonio de Cabezon, ein im Grunde recht einfaches Stück, dem der Organist eine wunderbare meditative Ruhe mitzugeben vermochte.

 Interessant waren die Begegnungen mit so genannten Diminutionen. Das sind Verzierungen bekannter Stücke, meist von späteren Komponisten. So fügten Giovanni Bassano und Giovanni dalla Casa älteren Liedern von Clemens non Papa und Cyprien de Rore hübsche, einfallsreiche Erweiterungen hinzu.

 Dann gab's noch zweimal Modernes: In Änderung des Programms ein Stück "Monologe II" von Gerhard braun, welches der Bassblockflöte eigentümliche Klänge entlockte, so als ob man in eine Bierflasche bliese, sie klacken und klagen ließ, fauchen und singen, archaische und tastend: Musik von fremdem und unverständlichem Reiz, mit großer Sorgalt und Delikatesse dargeboten. Zwischendrin sprach die Flötistin leise Zeieln aus einem Shakespeare-Sonett – eine ziemlich manierierte Komponisten-Idee. Drei Brentanto-Lieder von H.-M. Linde bestanden aus am Sprechduktus orientierter Gesangsstimme und freier Flötenumspielung.

 Danach dauerte es einige Takte, bis das Ensemble wieder in die schöne Gelassenheit der Renaissancemusik zurückfand. Deren glänzend-frohes Finale: Die Solokantate "Gaudeamus ones" von Merula, strahlend verwirklicht, in ihrer Machart schon deutlich ins Barock hineinreichend. Den langen, herzlichen Applaus der 20 Zuhörer belohnte eine kleine, feine Zugabe.

 

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