Almut-Maie Fingerle, Konzertsängerin

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Rhein Main Presse Wonnegau, Mittwoch, 21. Mai 2003


Ein zeitloses Juwel voller Trauer und Schmerz

 

 

Pergolesis "Stabat Mater" in der protestantischen Kirche Freinsheim - Eindringliche Religiosität und stimmlich Strahlkraft

 

 

Passionsmusiken sind nicht gerade Renner in der Publikumsgunst, es sei denn, es handelt sich um die großen Passionen oder wie jetzt in der protestantischen Kirche in Freinsheim um ein bereits zu seiner Entstehungszeit zum europäischen Hit ge-wordenenen Meisterwerk wie Pergolesis "Stabat Mater". Die auf Bestellung einer geistlichen Bruderschaft erfolgte Vertonung dieser lateinischen Sequenz ist das letzte Werk des 1736 mit 26 Jahren verstorbenen Genies, ein Meilenstein in der geistlichen Musik des 18. Jahrhunderts.

Auch wenn ein heutiger Hörer das einst wegen seiner Neuartigkeit umstrittene Werk fast nur noch als gefällige Musik empfindet, kann er sich seiner Empfindungstiefe nicht entziehen und erkennt es vorbehaltslos an als zeitloses Juwel. Trauer und Schmerz erscheinen hier auf so direkte Art und ohne Larmoyanz dargestellt, wie es

 

musikalisch wohl nur ein Italiener so überzeugend ausdrücken kann.

Dass die Freinsheimer "Stabat-Mater"-Aufführung als delikate, kammer-musikalisch intime Interpretation dem Geist des Werks überzeugend gerecht wurde, ist einer sympathischen jungen Künstlerschar zu verdanken: Die Sopranistin Almut-Maie Fingerle, der Altistin Sandra Stahlheber, dem Quadriga-Quartett mit Julia Röntz und Annika Möhle (Violinen), Vaida Rozinskaite (Viola), Eva Röntz (Cello) und Stephan Aufenanger (Cembalo).

Die ursprünglich für Kastraten gedachten Gesangspartien findet man heute auch in der modischen Besetzung mit einem Knabensopran und einem Countertenor. An nuancierter Klangdifferenzierung standen demgegenüber die noch in der Ausbildung stehende Sopranistin mit stimmlicher Strahlkraft und die mit der Fülle und Wärem ihres charaktervollen Timbres

 

noch überzeugendere Altistin in keiner Weise nach. In den Duetten mischten sich ihre Stimmen vorzüglich, in den Solo-Arien demonstrierten sie deutlich ausgeprägtes Eigenprofil.

Die kleine, recht flexible Instrumentalbesetzung aus Quadriga-Quartett und ornamental bereicherndem Cembalo garantierte dazu höchste Transparenz. In Artikulation und Phrasierung ging diese Begleitung konform mit den reich kolorierten Vokalpartien. Und deren auskomponierte Schluchzer und Schmachtlaute spiegelten exakt all die Eindringlichkeit südländischer Religiosität wider. Auch wenn die Sopranistin mal in den Höhen forciert und bezüglich der Diktion Defizite aufwies, stets registriert man als besonders angenehm ihre Distanz zu tremolierendem Ansatz. Und die lyrisch empfindsamen Töne wurden schön ausgesponnen, in ihren Arien wie in denen der von der

 

gestalterischen Ausstrahlung her überaus ansprechenden Altistin, beispielhaft glich in ihrem "Quae maerebat et dolebat". Heraus kam so eine überzeugende Darstellung im Stil einer geistlichen Kammermusik der reinsten Art.

Ob Händel tatsächlich als Komponist der als Auftakt gesungenen Sopransolo-Kantate "Salve Regina" in Frage kommt, wird stark bezweifelt. Immerhin war er so flexibel, dass er in Italien erzkatholische und in England uranglikanische Sakralwerke schreiben konnte. Die Affektdarstellung der dreisätzigen Kantate stand in auffälligem Gegensatz zu Pergolesis Werk, hatte in Almut Fingerle aber eine Interpretin gefunden, die beweglich in Höhe und Tiefe trotz starker dynamischer Wechsel und offener Wünsche hinsichtlich der Textverständlichkeit dem Werk zu sinnvoller Gestaltung verhalf. Ein höchst zufriedenes Auditorium dankte mit reichlichem Applaus. (es)

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