Von Carmen Diemer-Stachel Wiesloch. Trotz des sonnigen Wetters war die Pankratiuskapelle in Altwiesloch bis auf den letzten Platz besetzt. Zahlreich waren die Liebhaber „alter Musik“ er. schienen, um sich vom charmanten Trio „Entr’acte“, Almut.Maie Fingerle (So- pran), Almut Werner (Blockflöten) und Siegrun Forster (Gitarre), in die Renais- sance. und Barockzeit entführen zu las- sen. Mit „Musica con Variazioni“ gab das bestens aufeinander eingespielte Trio dem Publikum Einblicke in die Welt der Verzierungen und Variationen. Die interessante und vergnügliche mu. sikalische Reise führte von England über Frankreich nach Deutschland und Ita- lien, um schließlich mit dem bekannten englischen Volkslied „Greensleeves“ wie- der zum Ausgangspunkt zurückzukeh- ren. Kunstvoll ausgezierte Madrigale des 16. Jahrhunderts für Sopran, Blockflöte und Gitarre, die die Laute ersetzte, stan- den im Mittelpunkt des Konzertes. Mit dem süßen und zugleich schwermütigen „Come again“ von John Dowland (1562.1626), in dem ein verlassener Lie- bender sich nach seiner Angebeteten sehnt, nahm Sopranistin Almut.Maie Fin- gerle die Zuhörer sogleich gefangen. Hin- gebungsvoll lauschten sie den für Dow- land typischen melancholischen Tönen und ihrer warmen Stimme. Für das har- monische Gerüst sorgte versiert Siegrun Forster, während Almut Werner auf der Altblockflöte virtuos ein Vor., Zwischen- und Nachspiel nach einer Variation von Jacob van Eyck intonierte. Die schwermütige Stimmung hielt sich nicht lange, denn mit Clément Jane- quins (um 1485.1558) „Ce Moy de May“ kamen heitere Frühlingsgefühle auf. Fröhlich ließ die Sopranistin zum liebli- chen Gesang ein Tamburin erklingen, während die Flöte sich tänzerisch empor- schwang und die einfache Melodie kunst- voll ausschmückte. Mit Antonio Vivaldis (1678.1741) „Concerto in Sol mineur“, widmeten sich Almut Werner und Sie- grun Forster einem anspruchsvollen Werk des berühmten italienischen Kom- ponisten. Die Blockflötistin bestach mit ihrer Fingerfertigkeit, Virtuosität und dif- ferenzierten Dynamik, die großes Kön- nen voraussetzt. Bestens harmonisierten die beiden Musikerinnen miteinander. Stoff aus der griechischen Mythologie wählte Georg Friedrich Händel (1685.1759) für seine Kantate „Nel dolce dell’oblio“ (Im seligen Vergessen). Aus Gram über die Abwesenheit ihres Gelieb- ten begeht die Königstochter Phyllis Selbstmord und wird in einen Mandel- baum verwandelt, der wieder austreibt, als der Geliebte ihn umarmt. Das Austrei- ben des Blattwerks setzte Almut Werner brillant in kunstvolle Flötentöne um. Der liebliche Gesang, in dem hohe technische Anforderungen bravourös gemeistert wurden, und die virtuose Flötenstimme wechselten sich ab oder ergänzten sich auf die angenehmste Weise, während die Gitarre mit großem Einfühlungsvermö- gen den harmonischen Unterbau bot. Beim Hören des verträumten Madri- gal „Frais et gaillard“ von Clemens non Papa (um 1510.1556) glaubte man sich an einen Fürstenhof der Renaissance zu- rückversetzt. Dieses Madrigal ist ein gu- tes Beispiel für das im 15. und 16. Jahr- hundert übliche Verfahren der Diminuati- on (Verkleinerung), das in einer Improvi- sationspraxis wurzelt, die dem heutigen Jazz sehr ähnlich ist. AlmutWerner spiel- te virtuos die auskomponierte Diminuati- on von Giovanni Bassano mit der So- pran-Renaissance-Blockflöte, wobei sie diese Stimme traditionsgemäßweiter ver- zierte und ausschmückte. Großen Anklang beim Publikum fand die heitere Arie „Son Rossignolo“ (Ich bin die Nachtigall) aus der Oper „Isme- ne“ von Pietro Torri (um 1650.1737), bei dem Flöte und Singstimme in einen atem- beraubenden Wettstreit treten, um he- rauszufinden, wer am schönsten singt. Beide „Nachtigallen“ sangen und spiel- ten hochvirtuos, wobei sich einmal die ei- ne, dann wieder die andere hervortat. Trotz Wettstreit entstand ein beeindru- ckendes, harmonisches Zusammenspiel. Nicht nur die wunderschöne Musik er- freute das Publikum. Viele interessante Informationen rundeten den gelungenen Konzertabend ab. Das Publikum bedank- te sich mit begeistertem und lang anhal- tendem Applaus. Mit einem mittelalterli- chen Lied von Alphonso X. El Sabio (Al- fons der Weise) aus Spanien als Zugabe gelang ein heiterer Ausklang.